Thalia E-Book-Reader Oyo – hat im Test nicht überzeugt. Rückgabe erfreulich einfach.

Qualität des Oyo-Reader hin oder her. Eines muss man Thalia lassen, die Rückgabe nach 14-tägigem Test war erfreulich einfach.

Es gibt insgesamt erst zwei Geräte in meinem Leben, die ich nach dem Kauf wieder zurückgegeben habe. Das erste war ein Karcher Dampfreiniger, der alles machte außer reinigen und das zweite der Oyo Reader von Thalia. Die anderen Fehlkäufe wurden unauffällig nach 2 Jahren Nichtnutzung unauffällig entsorgt oder verschenkt. Es folgt ein ausführlicher Erfahrungsbericht, der auf technische Details verzichtet sondern lediglich begründet, warum der Oyo nach 14 Tagen wieder zurück in die Buchhandlung musste.

Vorgeschichte – wieso überhaupt  E-Book-Reader

Kindle

Ein Freund ist schuld. Er musste sich unbedingt den neuen Kindle zulegen und hat mich mit dem E-Book-Reader-Virus infiziert. Ich durfte den Kindle in die Hand nehmen und da ist geschehen. Nur der Umstand, dass der Kindle auf meine Fingertappser auf dem Screen nicht reagierte, da kein Touchscreen, hat mich von einem Sofortkauf abgehalten. Tastatur ist für so ein Gerät doch sowas von out.

Ansonsten geschmeidig zu bedienen und das E-Ink-Display tatsächlich aus allen Winkeln gut und blendfrei zu betrachten. Das integrierte Wörterbuch und die eingebaute W-Lan-Funktion haben mich begeistert. Sowas will ich auch – aber mit Touchscreen.

Oyo Reader – die Ankündigung

Der Oyo Reader wurde mit Touchscreen,  W-LAN und einem E-Ink-Display angekündigt zu einem Preis,  der  keinen Krater in die Kasse reißt. Den will ich haben, und habe geduldig auf den Verkaufstart am 28. Oktober gewartet.

Oyo Reader – der Kauf

Eigentlich wollte ich den Reader nur einmal im Geschäft anschauen und dann die ersten Testberichte abwarten.

Trotzdem ich bereits in der Buchhandlung merkte, dass das Display  nicht so überzeugte wie beim Kindle, griff ich zu. Ausschlaggebend war der Hinweis der Verkäuferin, dass

1. das Licht in der Buchhandlung nicht optimal sei  und

2. ich nach 14 Tagen Test das Gerät kommentarlos bei Nichtgefallen zurückbringen könne.

Das ist fair.

Anmeldung und Registrierung

Zuhause angelangt, das  Gerät gestartet und die Anmeldung beim Thalia-Shop erledigt. Da ich bereits ein Login dort habe, konnte ich mich relativ einfach  anmelden.

Tipp an Thalia: Bereits beim Verkauf des Geräts den Käufer frage, ob man überhaupt W-LAN zuhause habe oder ob man das Gerät gleich im Laden aktivieren möchte.  Denn ohne W-LAN kommt man über die Aufforderung, sich bei Thalia zu registrieren, nicht hinaus.

Tipp für eventuelle Oyo-Käufer: Erledigt die Registrierung bei Thalia.de direkt über den PC und nicht über den Oyo. Beim Erstkontakt mit der Display-Tastastur könnte sonst die erste Verzweiflungsattacke auftreten.

Touchscreen

Am besten und schnellsten reagiert der Screen, wenn man ganz sanft mit der Fingerkuppe tippt, und nicht auf die behäbig folgende Anzeige achtet. Nicht stark drücken oder mit den Fingernägeln drohen, das führt zur Dienstverweigerung.

Kaufrausch

Faszinierend, sofort nach  Aktivierung und Registrierung bin ich in einen virtuellen Bücher-Kaufrausch verfallen. Vermutlich auch dem Umstand geschuldet, dass außer einem 2-seitigen Brief und der Bedienungsanleitung nichts Spannendes auf dem Gerät zu finden ist.

Da ich noch in der Testphase war habe ich mir eine Ausgabegrenze gesetzt und nur  drei Bücher über das Gerät direkt gekauft.  Hat alles super geklappt – nichts zu meckern. Kontrollblick parallel in den Online-Shop via PC zeigte mir sofort die Einkäufe unter „Mein Konto“, archiviert auch für späteren Download und zum Lesen für andere Reader. Das beruhigt ungemein.

Softwareaktualisierung

Erst nach dem Kauf habe ich die Softwareaktualisierung  gestartet. Ich hatte die vage Hoffnung, dass Medion vielleicht schon eine Möglichkeit gefunden hat, den Kontrast nachzubessern. Denn bei mir zuhause saß ich bereits in meinem Lieblingshalbdunkel und musste für die weitere Bedienung des Geräts weitere Lichtquellen aktivieren.

Doch trotz der unglaublichen Datenmenge die heruntergeladen und installiert wurde  – statt mit neuen Funktionen belohnt musste ich zur Strafe für die Aktualisierung  den Registriervorgang erneut starten,  was die Adobe ID durcheinanderbrachte und ich aktuell nicht mehr weiß, mit welchen Daten ich wo welche Bücher lesen darf.

Egal, das soll das Einkaufserlebnis nicht trüben.

Vergessliche W-LAN-Einstellung – Bug oder Feature?

Ich habe nicht herausfinden, ob ich zu dusselig bin oder das Gerät mich ärgern wollte. In den Einstellungen hatte ich angegeben – „W-LAN automatisch erkennen“. Das W-LAN-Kennwort musste ich, trotz dieser Einstellung , für fast jede Einwahl neu eingeben. Das bringt nach dem 3. Mal nur noch bedingt Spaß.

16-Graustufen und spaßbefreites Surfen

Im Begeisterungsschwung des Erstkontakts auch die anderen Funktionen des Readers betrachtet und ausprobiert. Die Frage stellte sich: In welcher Marktforschung Medion/Thalia erfahren haben will, dass jemand  Bildergalerien in 16 Graustufen betrachten möchte oder im Web in der Anmutung von 1999 surfen möchte?

Da ich das Gerät nicht fürs Surfen und Bilder betrachten gekauft habe, finde ich nur, dass man den Platz für etwas sinnvolleres hätte nutzen können. Stört ansonsten nicht weiter.

Kernkompetenz Bücher anzeigen wie auf Papier

Bücher möchte ich mit einem E-Book-Reader lesen, möglichst viele gleichzeitig, wo und wann ich will. Und es soll, wenn sich schon nicht nach Papier anfühlen, so doch wie Papier aussehen. Schwarze Schrift auf weiß  fällt mir spontan dazu ein.

Gelernt: 16-Graustufen kennt kein Schwarz/Weiß

Auf den Oyo gestarrt . Dunkelgraue Schrift auf mittelgrauem Hintergrund – Lesbarkeitspreise gewinnt man damit nicht. Mir wird klar, 16-Graustufen heißt definitiv nicht  schwarz auf weiß. Um zu testen, ob ich an plötzlichem Sehkraftverlust leide, ein Buch daneben gelegt. Nein – an der Sehkraft liegt es nicht.

Verzweifelt doch einmal in die Anleitung geschaut, wo könnte der Zauberknopf für die Aufhellfunktionversteckt sein?

Ernüchterung

Gegoogelt und festgestellt – das mit dem Kontrast wird zahlreich bemängelt und Lösung nicht in Sicht.

Ebenfalls bemängelt wird das behäbige Umblättern. Kann man drüber streiten – blättert man rechtzeitig, unterbricht es den Redefluss nicht. Bei  echten Büchern entsteht auch eine kleine Unterbrechung. Was mich eher gestört hat war das unregelmäßige Aufblinken der Batterieanzeige und das zerkrisseln der Schrift während des Blätterns.

Exkurs:  Ausflug Software Calibre

Noch nicht 100%ig überzeugt, dass ich das Gerät eigentlich auch gleich wieder zurückbringen könnte, habe ich mich auf die Suche nach weiterer Lektüre für den Reader begeben.

Dabei  auf die Software Calibre gestoßen. Calibre  ist ein grandioses Tool um zum einen vorhandene Bücher auf dem PC oder Reader zu verwalten und aus von Online-Zeitungen zur Verfügung gestellten RSS-Feeds handliche PDFs zu kreieren und auf Reader zu übertragen. Einzelheiten hierzu möge der interessierte Leser dort entnehmen – Calibre

Weiter im Praxistest: Bei Tageslicht lässt sich gut in Graustufen lesen

Vollständig aufgeladen den OYO am nächsten Tag  trotzdem mitgenommen. Die 14-Tage-Test will ich nutzen und festegestellt – bei Tageslicht ist das Display ok und sehr gut zu lesen.

Heißt –  nur in Innenräumen brauche ich mehr Beleuchtung als wenn ich ein echtes Buch lese. Blöd nur, dass ich lieber im Dunkeln sitze  und für einen Reader diese Gewohnheit nicht ändern möchte und dass ich selten im Winter bei Tageslicht draußen sitze zum lesen.

Egal, praktisch finde ich immer noch die Größe, das  Gewicht und überhaupt – ich beginne jetzt endlich eins der drei neuen Bücher zu lesen. Die Fahrt, die ich sonst mit dem Fahrrad antrete, werde ich heute zu Gunsten des Oyos mit dem Bus erledigen. Die Nutzung dort  funktioniert auch prima. Die Größe ist angenehm, er liegt gut in der Hand und zügiges Lesen ist mit dem richtigen Timing des Umblättern möglich.

KO-Gründe: Fehlende Einstellungsmöglichkeit für Kontrast in Kombination kurzer Akku-Laufzeit

Ich hätte das Teil vermutlich für Trivialliteratur behalten und als Pausenlektüre in öffentlichen Verkehrsmitteln und Wartezimmern weiter verwendet, wenn nicht der Akku nach 190 Seiten und 11 Tagen bereits vollständig entladen gewesen wäre.

In der Beschreibung steht 8000 Seiten oder zwei Wochen.  Die letzten 11 Tage habe ich nur 190 Seiten gelesen. Zwischendurch war es im Stand-by mit deaktiviertem W-LAN. Ich habe weder graue Bildergalerien betrachtet, noch im Internet gesurft, lediglich einmal die Zeitungen via Calibre/USB-Kabel auf das Gerät übertragen, wobei es derweil mit Strom versorgt wurde.

Fazit – Rückgabegründe:

  • Kontrast, resp. Fehlende Möglichkeit den Kontrast an Lichtverhältnisse anzupassen.
  • Akkulaufzeit.

Was bei längerem aktiven Gebrauch  mir auch gefehlt hätte: ein Wörterbuch und eine Möglichkeit, Notizen zu machen. Die vorhandene Lesezeichenfunktion ist suboptimal gelöst.

Erfreulich einfache Rückgabe – Thalia versäumt einfache Feedbackmöglichkeit

Gestern, am 12.11.2010 das Gerät in der Thalia-Filiale zurückgegeben. Warum Thalia die Rückgabe nicht dazu nutzt, Feedback einzuholen, ist mir schleierhaft. Es wird nur gefragt, ob das Gerät kaputt sei. Gern hätte ich gesagt, dass nur klitzekleine Dinge anders sein müssten.

Aussicht

Aus mir unbekannten Gründen, besteht  immer noch das Bedürfnis nach einem E-Book-Reader. Nach der Rückgabe habe ich deshalb  noch einen Abstecher in die E-Book-Reader-Abteilung eines großen Elektronikmarktes in Hamburg gemacht. In  den vergangenen zwei Wochen habe ich mich intensiv mit dem Thema beschäftigt, jetzt wollte ich den in vielen Foren und Artikeln gepriesenen Sony Reader Touch  PRS 350 live betrachten.

Nur die Hoffnung, dass Sony in den nächsten Tagen/Wochen/Monaten W-LAN hinzufügt,  hat mich davon abgehalten, sofort zuzugreifen.Mal schauen, wie lange ich den Widerstand durchhalte. Sonys Gerät scheint alles richtig zu machen:

  • Unendliche Möglichkeiten der Kontrastanzeige
  • Eine zügige Touchscreen- Tastatur
  • Schlanke hochwertig anmutende Verarbeitung
  • Notizbuchfunktion, Malmodus (wofür auch immer).

Social Media und E-Books

Was hat ein E-Book-Reader auf einem Socialmedia-Blog zu suchen?

Außer, dass die Nutzer zu „Buch-Allein-Lesern“ werden,  da man sie nicht mehr problemlos verleihen kann – nichts.

Ok, wenn ich ehrlich bin, da ich kein Facebook-Konto habe, konnte ich auf der natürlich dort vorhandenen Produktseite keinen Kommentar abgeben ;)

Freut mich aber trotzdem, dass ihr bis zum Ende durchgehalten habt.

Infos zum Nachlesen in der Reihenfolge der Erwähnung:

Veröffentlicht von

Dalila

Seit 1998 online und bekennender Online-Junkie. Fragt sich häufig, wie sie vor 1998 das Leben organisiert hat. Ist nur tageweise Naturfreund, raucht nicht mehr, isst keine industriell verfeinerten Lebensmittel, fährt seit drei Jahren mit wachsender Begeisterung Fahrrad, wohnt in der schönsten Stadt Deutschlands im nicht ganz so schönen, dafür sehr lebendigen Schanzenviertel.

4 Gedanken zu „Thalia E-Book-Reader Oyo – hat im Test nicht überzeugt. Rückgabe erfreulich einfach.“

  1. Hi,

    hab grad deinen Blog gelesen – denn auch ich will bei Thalia einen Reader umtauschen. Jedoch den Sony-Reder PSR-T1.

    Nein, das Gerät ist super! Kann es dir nur ans Herz legen. 1A Qualität, starkes Display, lange Laufzeit, herrliche Menüführung. Auch das Umblättern stört nur die ersten 5 Mal. Die PDF-Funktionen sind überragend: Vom Zoom bis hin zum „Spalten-Lesen“ usw.

    Warum schaff ich es zurück?

    Naja, der Grund mag für manchen seltsam klingen: Aber ich bin passionierter Buchleser, meine Wände mit Regalen gesäumt. Ich hab einfach ein schlechtets Gewissen meinen Büchern gegenüber. Klingt blöd, ist aber so. Ich habe einen Laptop, das ist OK. Doch brauche ich wirklich ein weiteres, computerartiges Gerät, nur um zu lesen? Irgendwas fühlt sich da ganz seltsam an… Naja, und wegen des Touch-Displays weiß ich auch nicht, wie ich das Ding 3 Stunden im Liegen halten soll. Ist auch nervig.

    Viel Glück, und guck dir mal den Sony PSR-T1 an, wird dir sicher gefallen…

    Gruß, André.

    1. Hallo André, danke für den Erfahrungsbericht.

      Sony wäre vermutlich meine nächste Wahl, wenn ich mir noch eine E-Book-Reader zulegen werde. Letztens habe ich das Samsung Galaxy Tab 10.1 geschenkt bekommen, und habe letztes Wochenende hierüber Bücher gelesen. Im Flieger und auf Reisen ist es praktisch, nicht die dicken Wälzer mitschleppen zu müssen. Störend im Flieger, dass man zum Start und zur Landung nicht weiterlesen darf. Aktuell lese ich gerade den Schmöker „Limit“ von Schätzing. Hier wünsche ich mir, gerade zum Ende hin, ihn auf dem Reader zu lesen, weil doch etwas schwer und unhandlich. Auf der anderen Seite mag ich aber auch sehen, wie sich ein Buch dem Ende nähert. Heißt also auch bei mir: auf klassische Bücher mag ich zur Zeit nicht verzichten, für besondere Gelegenheiten wie Reisen kommen die Bücher aufs Tablet oder auf einen Reader.

  2. Hm der Post stimmit mich nachdenklich, da ich den Eindruck gewinne, dass der Autor sich nicht vorher damit auseinandergesetzt hat, was ihn bei einem E-book Reader erwartet.
    Evt. haetten sich Missverstaendnisse so vermeiden lassen.
    Zu allen anderen Punkte, die nicht auf Missverstaendnisse zurueckzufuehren sind: besten Dank fuer Deine Erfahrungen!

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